Rock im Park 2019 | Die Ärzte, Slipknot, Feine Sahne Fischfilet u.v.m.

Es wurde Zeit: Nachdem ich über zehn Jahre auf eher kleinen Festivals unterwegs war, sollte dieses Jahr mit Rock im Park alles größer werden. Aber heißt größer auch besser?

Donnerstag: Anreise

Wir reisen mit dem Wohnmobil an. Uns war schon ganz bange, dass es eine absolute Ewigkeit dauern würde, bis wir uns durch das Chaos in Nürnberg durchgeschlagen haben, schließlich will man nach circa 5 Stunden Autofahrt dann nicht noch groß hin und her suchen und warten. Aber alles kein Problem: Innerhalb einer halben Stunde haben wir nicht nur einen Stellplatz, auch der Strom läuft schon und schwups haben wir unsere Festivalbändchen. Nach einer kurzen Inspektion der uns zugeteilten Toiletten- und Duschanlagen war die Pflicht für diesen Tag erledigt. Zum Glück hat der Kühlschrank das gute Bier schon runtergekühlt! Es folgt ein entspannter Tag mit Alkohol und netten Leuten.

Freitag: Feine Sahne Fischfilet, Three Days Grace, Die Ärzte & Alligatoah

Heute spielen die ersten Bands und natürlich sind hier auch einige Musiker dabei, die wir uns ansehen wollen.

Mit Feine Sahne Fischfilet startet unser musikalisches Wochenende und was soll ich sagen… es hätte nicht besser sein können. In die ausgelassene Stimmung haben sich immer wieder kleine Momente gemischt, in denen es emotional wurde. Die Band dürfte den meisten Menschen in und um Deutschland mittlerweile durch ihren Kampf gegen Nazis ein Begriff sein. Und so passt es dann auch, dass Monchi, der Sänger der Band, immer wieder wütend den aktuellen Stand der Welt, in der beispielsweise ernsthaft über die Notwendigkeit von Seenotrettung diskutiert wird, betont. Wenn ich euch sage, dass ich auf dem Konzert einer Punkband nicht nur gefeiert und getanzt habe, sondern auch Tränen in den Augen hatte, dann kann man vielleicht nachvollziehen, dass diese Erfahrung etwas ganz Besonderes für mich war.

Als Nächstes schauen wir uns Three Days Grace an. Ich muss zugeben, dass ich von dieser Band schon seit einer gefühlten Ewigkeit nichts mehr mitbekommen habe. Früher, während dem, was viele Menschen eine “Emophase“ nennen würden, habe ich Three Days Grace allerdings hoch und runter gehört. An manche Songs erinnere ich mich dann während des Konzerts tatsächlich nochmal, es kommt ein Hauch von Nostalgie auf und so habe ich auch mit dieser Band viel Spaß.

Nach einer längeren Pause, die wir auf unserem Campingplatz und mit der Überprüfung des Kühlegrads unseres Biers verbringen, ist es dann endlich so weit: Die Ärzte (aaaauuuuusss Beeerliiiiin) betreten die Bühne! Ich habe die beste Band der Welt schon einmal live sehen dürfen und war damals bereits begeistert gewesen, das Konzert auf Rock im Park hat mir aber noch besser gefallen. Wir haben relativ weit hinten gestanden, weil wir uns das große Gedrängel sparen wollten. Das hat der Stimmung allerdings keinen Abbruch getan: Wir haben getanzt, mitgegrölt und – wie es sich für ein Konzert von den Ärzten gehört – zig La-Ola-Wellen mitgemacht. Und dann kam der große Regenschauer – und die Stimmung wurde noch genialer! Natürlich gab es viele Menschen, die sich schnell unter den Ständen in Sicherheit gebracht haben, aber das bedeutete für uns andere Besucher eigentlich nur eins: Noch mehr Platz zum Tanzen! Eine bessere Stimmung habe ich auf einem Festival noch nie erlebt. Die Ärzte haben es also – wie vermutet – geschafft und ein Konzert gespielt, dass ich nicht mehr vergessen werde.

Auf dem Weg zum letzten Konzert des Abends haben wir dann sogar noch circa 30 Sekunden von Die Antwoord mitbekommen! Für mich persönlich war es kein großer Verlust, dass wir diese Band nicht sehen konnten, meine Freunde waren allerdings wirklich traurig. Aber wenn Die Antwoord zeitgleich zu Die Ärzte spielt gibt es eben keine Diskussion. Vielleicht nächstes Jahr…

Und dann ging es auch schon weiter mit Alligatoah! Ich habe ihn jetzt schon einige Male live sehen dürfen und bin immer wieder baff, was für eine Rampensau dieser Typ ist. Gesang, Stimmung und Bühnenbild waren mal wieder on point… und trotzdem konnten wir einfach nicht mehr. Nachdem wir noch einige Lieder mitgesungen und gefeiert hatten, ging es klatschnass, müde und glücklich zurück auf den Campingplatz. Was für ein grandioser erster Tag!

Samstag: Amon Amarth, The Struts, Tenacious D & Slipknot

Der dritte Tag auf dem Festival bricht an und spätestens jetzt haben wir alle die ersten Müdigkeitserscheinungen. Aber einknicken ist nicht, also weiter geht’s! An diesem Tag spielte nur eine Band, auf die wir alle Lust hatten: Slipknot!

Doch die Zeit bis zu diesem Highlight sollte auch gut genutzt werden. Mittags haben wir dann erst einmal einen Spaziergang zum Festivalgelände gemacht und sind dort in den eigens aufgebauten Lidl gegangen. Meine Güte… lasst euch eines gesagt sein: Geht da nur hin, wenn ihr wirklich dringend etwas braucht! Die Idee, einen solchen Laden auf dem Gelände aufzustellen, ist natürlich genial, aber eine solche Hektik erlebt man während der Konzerte schon zur Genüge.

Mein Freund wollte unbedingt Amon Amarth anschauen und so haben wir uns dann – ohne große Diskussion – auf den Weg zu der schwedischen Death-Metal-Band gemacht. Überhaupt nicht meine Musik, aber irgendwie doch ganz unterhaltsam.

Weiter ging es mit The Struts, einer Band, von der ich schon viel gelesen, aber nur wenige Songs gehört habe. Was wir bekamen, war klassischer Rock, wahnsinnig guter Gesang… aber leider auch unendlich stickige Luft. Denn The Struts spielten in der Alternarena und die war minimal überfüllt. Spaß hat das Konzert trotzdem gemacht und ich für meinen Teil werde mir jetzt wirklich öfter die Musik der Band anhören.

Auf Tenacious D habe ich mich besonders gefreut. Ich bin großer Fan von Jack Black und Kyle Gass, die Typen sind so schön kreativ-verrückt. Leider muss ich sagen, dass der Funke hier bei mir nicht ganz übergesprungen ist. Die Stimmung war nicht so toll und auch die Bühnenleistung hat mich irgendwie nicht so ganz überzeugen können. Ich bin froh, dass ich die Band mal live sehen konnte, aber noch einmal würde ich wahrscheinlich eher nicht auf ein Konzert gehen.

Doch der Ausgleich für die kleine Enttäuschung kam in Form von Slipknot. Wow, einfach nur wow! Hier war man plötzlich wieder hellwach und voller Energie. Natürlich kann man nicht so schön mitsingen und tanzen wie bei Die Ärzte, aber meine Güte war diese Show genial! Es war laut, wild und unfassbar mitreißend. Definitiv lieferten Slipknot neben Feine Sahne Fischfilet und der besten Band der Welt mein drittes Highlight auf Rock im Park 2019!

Sonntag: Alice in Chains, Slash, The Smashing Pumpkins & Slayer

Der letzte Tag bricht an. Die Mission ist klar: Noch einmal alles geben und Spaß haben, bevor am nächsten Tag die Heimreise ansteht. Wenn da nicht die kleine, aber feine Tatsache wäre, dass wir alle ziemlich fertig sind. Nach einigen Schlücken aus einem alkoholischen Getränk sind wir allerdings wieder aufgemuntert und fühlen uns bereit für die letzten Shows.

Eher zufällig verschlägt es uns dann zu Alice in Chains. Oder anders formuliert: Meine Begleiter wollten unbedingt Riesenrad fahren, da ich aber unfassbare Höhenangst habe, hatte ich auf diese Aktion wenig Lust. Nun hatte ich meine Meinung geändert und das sollte schnell ausgenutzt werden. Wir gingen also zum Festival-Gelände, auf dem Alice in Chains gerade angefangen hatten zu spielen und schon saßen wir im Riesenrad. Und was soll ich sagen? Ich fand’s gar nicht so schlimm und habe mich sogar getraut, die Augen offen zu lassen. Jacky-Cola ist eben doch ein echtes Heilmittel. Nach diesem absoluten Adrenalin-Rush – zumindest war es ein solcher für mich – musste man es erst einmal ruhig angehen. Entspannt platzierten wir uns auf der Wiese, legten uns hin und genossen die Musik.

Als Slash dann schließlich anfing zu spielen, rafften wir uns noch einmal auf, gingen etwas weiter nach vorne und haben da Party gemacht – zumindest für ungefähr 10 Minuten- Dann sind wir wieder zu unserem Platz auf der Wiese und haben uns hingelegt. Die Musik hört man so schließlich auch und darum geht es ja bei einem Festival! Und auch wenn das tatsächlich stimmt, man muss einfach sagen: Wir waren todmüde und einige von uns kränkelten ganz schön.

So kam es dann auch, dass wir The Smashing Pumpkins und Slayer nur noch von unserem Wohnmobil aus gehört haben. Zum Glück hat der ja nah am Festivalgelände gestanden, dann ist es ja auch fast so, als wäre man live vor der Bühne gewesen. Irgendwann verlassen uns alle die Kräfte. Zum Glück stand keine der beiden Bands auf der absoluten “Must See“-Liste für dieses Wochenende und so hatten wir auch kein allzu schlechtes Gewissen, als wir es uns in unserem Wohnmobil gemütlich gemacht haben.

Eine kleine Anmerkung zur Organisation

In vielen Berichten über das diesjährige Rock im Park wird von den katastrophalen Zuständen der sanitären Anlagen berichtet. So sollen viele Toiletten und Duschen bereits am Freitag defekt gewesen sein, was zu endlosen Schlangen führte. Die Verärgerung der betroffenen Besucher ist meiner Meinung nach komplett nachvollziehbar, wenn man so viel Geld für ein Wochenende ausgibt, dann muss eben auch sichergestellt sein, dass alles einwandfrei funktioniert. Zum Glück waren wir in diesem Fall nicht betroffen, bei uns hat alles ohne Probleme geklappt.

Ein größeres No-Go waren für mich da eher die Mitarbeiter der Security. Natürlich machen die nur ihren Job und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie anstrengend manche Festivalbesucher sein können. Aber ein gewisses Maß an Freundlichkeit sollte doch wohl immer bestehen bleiben.

Kleines Beispiel? Als wir am Freitag auf das Festivalgelände gehen, habe ich einen kleinen Turnbeutel dabei. Ich werde durchgewinkt, alles ist in Ordnung. Am nächsten Tag gibt es dann allerdings ein Problem und mir wird mitgeteilt, dass ich meine Tasche nicht mit aufs Gelände nehmen darf. Anscheinend ist es für die dort stehende Mitarbeiterin der Security unverständlich, wieso ich gerne eine Begründung für diese Entscheidung haben möchte und so wird diese sehr schnell sehr unfreundlich. Eine andere Kollegin erklärt mir dann, dass nur durchsichtige Taschen erlaubt sind. Das ist doch mal eine Ansage. Also haben die Kollegen von Freitag einen Fehler gemacht, indem sie mich einfach so aufs Gelände gelassen haben. Damit kann ich leben und gebe zu, dass mir dieser Umstand nicht bewusst war – remember: erstes Jahr Rock im Park. Wir verteilen also meine in dem Turnbeutel gesammelten Gegenstände und lassen diesen bei der Security zurück. So etwas passiert, keine Frage. Aber muss man bei einem solch kleinen Problem wirklich direkt unfreundlich und pampig werden? Ich weiß ja nicht.. Solche Zusammenstöße hatten wir und andere Besucher jedenfalls noch öfter, es wirkt fast so, als hätten die Verantwortlichen noch nicht verstanden, dass auch das Verhalten der Mitarbeiter grundlegend die gesamte Wahrnehmung des Festivals beeinflusst.

Zum Glück konnten diese unschönen Umstände durch fantastische Musik ausgeglichen werden. Auch wenn es mich zugegebenermaßen geärgert hat, dass ich dann auf dem Festivalgelände Dutzende von Turnbeutel gesehen habe, die nicht durchsichtig waren.

Fazit

Wir wussten nicht so recht, was uns erwartet, als wir uns Tickets für Rock im Park gekauft haben. Wir wollten einfach mal auf ein größeres Festival und uns mit dem Mieten eines Wohnmobils auch mal etwas gönnen. Trotz einiger Ärgerlichkeiten im Bereich der Organisation hat sich die Reise gelohnt. Vor allem durch Feine Sahne Fischfilet, Die Ärzte und Slipknot wurde dieses Festival für uns unvergesslich.

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