Netflix und sein neuer Hit Love, Death & Robots

Ich muss vorweg nehmen: Ich war skeptisch. Sehr skeptisch. Als ich von Love Death & Robots gehört habe, dachte ich sofort: Wow, kreativ, mal wieder eine neue Serie, die im Endeffekt nichts anderes, als ein simpler Blackmirror-Verschnitt ist. Meine Güte, habe ich mich geirrt.

Im Folgenden werde ich mir die einzelnen Folgen getrennt voneinander vorknüpfen, bevor ich dann zum Abschluss noch ein kleines, abschließendes Fazit ziehe.


1. Sonnies Vorteil

Sonnies Vorteil ansehen. Folge 1 der 1. Staffel.

Interessant. Unfassbar brutal. Sonnie ist die einzige Kämpferin bei den unterirdischen Biestkämpfen. Sie will zeigen, was sie kann – und sich vor allem gegen Männer beweisen, die ihr schon so viel Leid in ihrem Leben zugefügt haben. Ich habe den Cyberpunk-Stil sehr gerne gemocht. Und was ist aktueller, als eine Frau, die sich endlich gegen Männer, die sie ihr Leben lang unterschätzt und gedemütigt haben, auflehnt und ihnen zeigt, welche Macht sie im Geheimen besitzt?


2. Drei Roboter

Drei Roboter ansehen. Folge 2 der 1. Staffel.

Meine unangefochtene Lieblingsepisode! Drei Roboter machen einen kleinen Ausflug in eine Stadt, die in Schutt und Asche liegt. Die Apokalypse hat die Menschheit ausgelöscht, was bleibt, ist die Erde als Touristenattraktion. Und so schlendern die drei Roboter durch diese zerstörte Welt. Neben den witzigen und charmanten Sprüchen der Roboter, die mir direkt ans Herz gewachsen sind, schwingt in dieser Episode starke Gesellschaftskritik mit. Drei Roboter verpackt die Geschichte von dummen, ignoranten & arroganten Menschen, in einer charmanten Buddy-Geschichte. Und wer hat es nicht geahnt? Die Arschlöcher der Tierwelt – Katzen – werden uns alle überleben.


3. Die Augenzeugin

Die Augenzeugin ansehen. Folge 3 der 1. Staffel.

Eine Mischung aus Und täglich grüßt das Murmeltier und krankem Sadomaso-Rachethriller. Eine junge Frau wird Zeuge eines Mordes und flieht vor dem Mörder durch eine surreal wirkende Stadt. Schaurig genug eigentlich, doch es wird noch seltsamer: Der Mann hat soeben eine Frau getötet, die exakt wie unsere Hauptfigur aussieht. Die Stilwechsel in den Zeichnungen sind fantastisch, von comicartig bis sehr realitätsnah. Die Wechsel sind spannend, ich war durchgehend fasziniert von dem technischen Können der Schaffer. Die Story? Geht so. Immer noch gut, aber eben nicht so herausragend, wie die anderen Episoden. Und was bleibt von der Geschichte? Die Erkenntnis, dass in jedem Menschen etwas dunkles, düsteres, böses steckt.


4. Schutzanzüge

Schutzanzüge ansehen. Folge 4 der 1. Staffel.

Eine Bauerngemeinde verteidigt ihre Familien mithilfe selbst gebauter Roboter vor einer Alien-Invasion. Schutzanzüge mochte ich sehr, sehr gerne. Vor allem wegen dem Ende. Nachdem die Bauern die Monster zurückschlagen konnten, setzt zunächst ein klassisches Hollywood-Happy-End ein. Alle sitzen zusammen, gedenken dem gefallenen Helden und sehen zuversichtlich der Zukunft entgegen. Doch dann passiert es: Die Kamera fährt aus der Szene raus, weiter und weiter, bis sie schließlich den Planet – den ich persönlich bis zu diesem Punkt für die Erde gehalten habe – zeigt. Und es handelt sich eben nicht um die Erde, sondern um einen fremden Planeten, an dem tausende von Monstern nur durch eine Art Schutzschild vom Eindringen aufgehalten werden. Die Menschen sind also nicht die natürlichen Bewohner, es handelt sich wahrscheinlich um eine Kolonie, die auf diesen Planeten – warum auch immer – umgesiedelt wurde und die Monster, die natürlichen Bewohner, vertrieben hat. Klar, es handelt sich um gruselige Viecher, aber nach dem Ende wurde ich dann doch etwas skeptisch: Haben wir als Menschen das Recht, einer anderen Spezies ihre Heimat wegzunehmen? So befremdlich, unheimlich und böse sie auch auf uns wirken mag.. eigentlich nicht.


5. Seelenfänger

Seelenfänger ansehen. Folge 5 der 1. Staffel.

Ein bei Ausgrabungen befreiter blutrünstiger Dämon kämpft mit einem Söldner-Team. An dieser Stelle muss ich mal ein ganz explizites Lob aussprechen: Was die Macher dieser Serie geschaffen haben, ist einfach fantastisch. Vor allem die Monster sind unglaublich. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so angeekelt und gegruselt wurde. Ganz großes Kino. Spannende Story, viel Action – dank C4 – und mal wieder: Katzen. WTF? Aber im Ernst, natürlich endet auch diese Episode mit einer Frage, die die Menschheit – mit ziemlicher Sicherheit – noch in den Abgrund reißen wird: Sollten wir wirklich überall nach Antworten suchen, auch wenn die nächste Entdeckung sehr gut unsere letzte sein könnte?


6. Als der Joghurt die Kontrolle übernahm

Als der Joghurt die Kontrolle übernahm ansehen. Folge 6 der 1. Staffel.

Wissenschaftler haben eine hyperintelligente Joghurtart gezüchtet, die schon bald um die Weltherrschaft buhlt. Zunächst will sie nur Ohio für sich beanspruchen – im Austausch für einen ausgearbeiteten Plan, wie die Menschheit überleben wird. Doch dieser Plan landet natürlich in den Händen, der unfähigsten und korruptesten Menschen überhaupt: Politikern. Und was geschieht? Na, was wohl? Die ach so schlaue Führungselite, die tagtäglich über das Leben von uns kleinen, unbedeutenden Normalbürgern entscheidet, verkackt auf ganz großem Level und führt den absoluten Gau herbei. Der Joghurt übernimmt die Erde, wird jedoch bald ihrer Bewohner müde und macht einen Abflug ins große, weite Universum – wahrscheinlich, um eine bessere, würdigere Spezies zu finden. Diese Episode ist mit ihrer Gesamtaussage wenig subtil, alles ist ziemlich offensichtlich. Mir hat sie trotzdem sehr gut gefallen, die Mischung aus dem Zeichenstil, der meiner Meinung nach sehr an die Ästhetik von Pixar-Filmen erinnert und dementsprechend eher harmlos daher kommt, der verrückten Story und dem pessimistischen Ende ist sehr gelungen.


7. Jenseits des Aquila-Rifts

Jenseits des Aquila-Rifts ansehen. Folge 7 der 1. Staffel.

Eine mehrere Lichtjahre vom Kurs abgekommene Mannschaft weiß nach dem Erwachen nicht, wie weit sie gereist ist. Diese Folge lässt sich ziemlich leicht zusammenfassen, greift sie doch eine Frage auf, die wir uns alle dank dem guten Neo stellen: Wenn du die Wahl zwischen der roten oder der blauen Pille hast, zwischen der grausamen Realität oder der beruhigenden Traumwelt, für was entscheidest du dich? Ein sehr interessantes, aber eben kein neues Gedankenexperiment. Die herrliche Diskussion, die ich nach dieser Folge führen durfte, entschädigt jedoch. Und ich glaube, genau das war das Ziel.

8. Gute Jagdgründe

Gute Jagdgründe ansehen. Folge 8 der 1. Staffel.

Diese Episode ist thematisch wirklich sehr nah an Sonnies Vorteil , auch hier steht die Weiblichkeit und das (fehlende) Durchsetzungsvermögen gegenüber Männern im Mittelpunkt. Doch im Gegensatz zu Sonnie ist die Hauptfigur, Yan, in diesem Fall nur zu Beginn sehr mächtig, sie ist eine Art Gestaltenwandlerin, die – zumindest nach der Meinung von den Dämonenjägern Liang und seinem Vater – Männer verführt und manipuliert. Doch ihre Kräfte werden immer schwächer und bald muss sie sich prostituieren, um zu überleben. Unsere Protagonistin gerät schließlich an einen Mann, der ihren natürlichen Körper aus Fleisch und Knochen durch einen Roboterkörper ersetzt – an dieser Stelle sei erneut darauf hingewiesen, dass diese Serie wunderbare Schockmomente hat, als Yan in einer perversen Folterszene von ihrem Körper getrennt wird, habe ich wirklich den Atem angehalten. Nach diesem „Vorfall“ sucht Yan Hilfe bei ihrem Freund Liang. Dieser macht ihren Roboterkörper zu einer Waffe, Yan kann jetzt wieder ihre Gestalt wandeln und zieht los, um Rache an den Männern zu nehmen, die sie so gedemütigt hatten. Wie gesagt, die Story ist nicht neu, sie erinnert stark an Sonnies Vorteil , vielleicht mit einem anderen Ausgangspunkt, aber am Ende sind es doch zwei Frauen, die Rache nehmen wollen. Was in dieser Episode aber storytechnisch eher eingebüßt wird, wird mit der fantastischen Machart ausgewogen. Denn während der Zuschauer in einem China der Kolonialzeit anfängt, endet er in einer abgefahrenen Steampunk-Version von Hong Kong, in der scheinbar alles möglich ist – außer der respektvolle Umgang der Menschen miteinander.

9. Die Müllhalde

Die Müllhalde ansehen. Folge 9 der 1. Staffel.

Der hässliche Dave wohnt auf der Müllkippe. Als ein Landinspektor mit dem Auftrag zu ihm kommt, ihm sein Zuhause wegzunehmen, muss dieser schnell feststellen, dass Dave auf der Müllhalde nicht alleine ist. Meiner Meinung nach eine wirklich charmante Folge, mit einem sympathischen Protagonisten. Dave ist einer, der von der Gesellschaft zurückgelassen wurde, ohne menschliche Nähe lebt er auf seiner Müllkippe, in seinem ganz persönlichen Paradies. Er ist zufrieden. Doch die gesellschaftliche Ausgrenzung reicht scheinbar nicht, denn sein Grundstück soll verkauft werden – wahrscheinlich, um neue, teure Wohnungen aufbauen zu können. Das Thema der Gentrifizierung also: Menschen, die seit Jahren & Jahrzehnten an einem Ort leben, werden vertrieben, damit die neue, reichere Bevölkerungsschicht dort in neu sanierten Luxusbuden leben kann. Doch nicht mit Dave… und schon gar nicht mit dessen „Hund“ Ollie, einem mutantenähnlichen Vieh, welches aus Müll besteht – und großen Hunger auf Landinspektoren hat.

10. Gestaltwandler

Gestaltwandler ansehen. Folge 10 der 1. Staffel.

Zwei Männer, die sich in Werwölfe verwandeln können, sind Teil der amerikanischen Truppen in Afghanistan. Doch nicht nur vor den (für Amerikanern) offensichtlichen Gegnern müssen sie sich in Acht nehmen, auch aus den eigenen Reihen kommt einiger Hass. Sie werden von ihren Kollegen ausgeschlossen, gedemütigt und beleidigt, sie wollen nicht, dass sie hier sind, sie sehen nicht, dass sie sich gegen einen anderen, gegen ihren gemeinsamen Feind zusammenschließen sollten. Diese Episode hat mich ehrlicherweise etwas ratlos zurückgelassen.. Natürlich muss der Afghanistan-Krieg in einer solchen Anthologieserie wie Love, Death & Robots thematisiert werden, keine Frage. Aber was ist die Message, was ist die Moral von der Geschichte? Die Hauptfigur, die wir begleiten, ist Decker. Nachdem sein Werwolf-Buddy Iycan von einem afghanischen Werwolf getötet wurde, spüren diese sich gegenseitig auf und es kommt zu einem Kampf auf Leben und Tod, den Decker gewinnt. Danach verlässt er mit Iycans Leiche das Militär und lebt in der Wildnis. Okay, so weit, so gut. Decker steht also zwischen zwei Stühlen: auf der einen Seite ist er Amerikaner, der sein Land schützen will, auf der anderen Seite ist er auch Werwolf. Und er beschließt schließlich, dass weder sein Land noch seine Spezies zentral für ihn sind, sondern sein Freund Iycan. Die Menschen, die Freunde sind also immer noch wichtiger, als die Machtdemonstration eines Landes zu unterstützen. Okay. Vielleicht stehe ich hier auf dem Schlauch, aber mir kommt diese Message doch irgendwie ziemlich altbacken und selbstverständlich vor. Insgesamt würde ich Gestaltwandler daher eher als schlechtere Folge einordnen, aber die tolle Optik, die mich irgendwie an ein modernes Videospiel erinnert hat, reißt einiges raus.

11. Helfende Hand

Helfende Hand ansehen. Folge 11 der 1. Staffel.

Die Astronautin Alex wird von einem umherfliegenden Trümmerteil verletzt, ihr Anzug ist zerstört, die Sauerstofffunktion ihres Anzuges fällt aus. Sie ist zu weit von ihrer Raumstation entfernt, ohne Hilfe wird sie sterben. Doch dann kommt ihr ein Einfall: Sie zieht einen ihrer Handschuhe aus und wirft ihn so, dass sie in Richtung Raumstation fliegt.. verpasst aber ganz knapp und kann sich nicht an der Station fest halten. Nun muss sie zu drastischen Mitteln greifen: Sie reißt sich ihren Arm ab – mal wieder sieht man alles in liebevoller Detailaufnahme – wirft diesen, wird zurückgeschleudert und schafft es schließlich sich an der Raumstation festzuhalten. Sie ist gerettet. Irgendwie habe ich sofort mit Alex sympathisiert, sie hat mir als Figur auf Anhieb gefallen und dementsprechend wurde ich immer nervöser, ob sie es denn nun schaffen wird, sich zu retten. Eine spannende Folge, die das Grauen und die Faszination des Weltraums und seiner Unendlichkeit gelungen präsentiert.

12. Nacht der Fische

Nacht der Fische ansehen. Folge 12 der 1. Staffel.

Ein Vertreter-Team bestehenden aus Sohn und Vater erleben eine traumähnliche Reise, als ihr Auto mitten in der Wüste Arizonas den Geist aufgibt. Tagsüber geschieht zunächst nichts, die Männer stehen an ihrem Auto und warten auf vorbeifahrende Hilfe. Doch dann wird es Nacht und plötzlich finden sie sich in einer Ansammlung von umherschwebenden Wassertieren wider. Der Vater erklärte seinem Sohn, dass der Ort, an dem sie jetzt stehen, vor Tausenden von Jahren noch aus Wasser bestand. Scheinbar leben die prähistorischen Geister der damaligen Zeit nachts noch an diesem Ort. Beide sind fasziniert von diesem Anblick, doch der Sohn wird übermütig, zieht sich aus, springt von einem kleinen Felsen und beginnt, mit den Wassergeistern zu schwimmen. Er wird von dem Ereignis aufgesogen, bekommt nichts mehr von seiner realen Umgebung mit und so hört er auch nicht die Rufe seines Vaters, die ihn vor dem annähernden Megalodon – selbst Jason Statham zittert – warnen sollen. Der Riesenhai frisst den Sohn auf, woraufhin die Wesen mitsamt dem Sohn verschwinden. Zurück bleibt der Vater, alleine, in der großen Wüste. Dem aufmerksamen Zuschauer ist nicht entgangen, dass ein Fisch durch den Sohn durchschwimmt, als dieser noch am Auto steht. An diesem Punkt haben die Geisterwesen also keinen Einfluss auf die Figuren. Als der Sohn sich der anderen Welt anschließt, indem er mit den Fischen schwimmt und somit ein Teil von ihnen wird, wird er angreifbar. Er ist in die Welt der Toten übergetreten und hat die Realität, in der sich der Vater weiterhin befindet, weil er sich nicht vom Auto wegbewegt, verlassen. Je länger der Sohn mit den Fischen schwimmt, umso durchsichtiger wird auch seine Gestalt – ein weiteres Anzeichen für seinen Wandel. Diese Folge hat mir wirklich sehr gut gefallen, vor allem wegen diesen kleinen Hinweisen bezüglich des Wandel des Sohnes. Sie muss aufmerksam angeschaut werden, nicht einfach nebenbei und ist in ihrem Grundgedanken wirklich sehr philosophisch. Das, oder der Vater hat sich alles einfach nur auf einem LSD-Trip zusammenfantasiert.

13. Raumschiff Nr. 13

Raumschiff Nr. 13 ansehen. Folge 13 der 1. Staffel.

Nachdem zwei Besatzungen gestorben sind, will niemand mehr die Lucky 13 fliegen. Doch Neulinge haben keine Wahl und so wird Colby die neue Pilotin der Maschine. Eine Episode, die ähnlich wie Gestaltwandler in einer fantastischen Videospiel-Optik gestaltet ist und alleine deshalb schon viel Spaß macht. Aber es kommt noch besser: Die Story ist tatsächlich eine der besten der Serie. Mit Colby wird die Lucky 13 zu einem richtigen Knaller, viele Einsätze fliegen die beiden erfolgreich zusammen, ohne dass ein einziges Crewmitglied stirbt. Doch dann kommt es zu einem Kampf, bei dem Colby nichts anderes übrig bleibt, als den Selbstzerstörungsmechanismus ihrer geliebten Maschine auszulösen, um sich und die anderen Soldaten zu schützen. Doch Lucky 13 zerstört sich nicht einfach, es wartet, bis mehrere gegnerische Soldaten in der Nähe sind und reißt sie dann mit in den Tod. Hat Lucky 13 also ein eigenes Bewusstsein? Die Antwort lautet ganz klar: Ja. Das kann der Zuschauer vor allem aus zwei Gründen feststellen. Zunächst erkennt der Filmliebhaber in manchen Kameraeinstellungen eine eindeutige Hommage an Stanley Kubricks fantastischen 2001: Odyssee im Weltraum , denn diese Folge wird häufig aus der Sicht von Lucky 13 gezeigt, was impliziert, dass es alle Aktivitäten um es herum hört und sieht. Der zweite Punkt ist zugegebenermaßen eher spekulativ, liegt jedoch nah. Colby behandelt ihren Flieger mit Respekt und so kommt der Gedanke, dass dies nicht immer der Fall war. Beispielsweise lässt die Betitelung mit Lucky 13, nachdem zwei Besatzungen in der Maschine gestorben sind, ahnen, dass der Umgang eher gehässig und wenig respektvoll war. Colby hat Lucky 13 dann schließlich mit dem nötigen Respekt behandelt und schwupps, tat die Maschine ihr es gleich und schützte die Pilotin sogar bis in den Tod. Begegnen Menschen einer KI mit Respekt, so wird dieser also auch erwidert.

14. Zima Blue

Zima Blue ansehen. Folge 14 der 1. Staffel.

Vor dem Enthüllen seines letzten Werks erzählt der gefeierte Künstler Zima von seiner Vergangenheit und seinem Aufstieg zum Ruhm. Durch seine Kunst hat er immer wieder die Barrieren des scheinbar Unmöglichen durchbrochen, seine Werke wurden immer größer, immer beeindruckender – doch während die Massen ihn feierten, fand er selbst doch keine Ruhe. Um ihn herum wurde es ruhig, es wurde spekuliert, dass Zima sich zu einem Roboter hat umbauen lassen, um die widrigsten Ecken der Natur entdecken und so die wahre Bedeutung des Lebens begreifen zu können. Doch in Wahrheit ist der gefeierte Künstler bereits ein Roboter. Er wurde damals von einer jungen Frau konstruiert, um die Fliesen ihres Pools zu reinigen. An diesem Punkt wurde er auch besessen von der blauen Farbe, die sich in all seinen Kunstwerken wiederfindet – es ist die Farbe der Fliesen, die er tagein und tagaus vor Augen hatte, als er sie säuberte. Die junge Frau arbeitete immer weiter an ihrer Schöpfung, bis Zima schließlich autonom wurde. Das letzte Meisterwerk soll nun die Zurückführung des Künstlers, eine Art Wiedergeburt, werden. Er baut den alten Pool wieder auf, schwimmt darin, umgeben von den blauen Fliesen, und löst sich nach und nach von den mechanischen Teilen, die ihm seine menschliche Form geben.. bis er seine ursprüngliche Form eines kleinen Swimmingpoolreinigers wiedererlangt. Zima sucht sein Leben lang nach Bedeutung, zunächst ist er unzufrieden mit seiner sich immer wiederholenden Arbeit als Reinigungsroboter, doch in seiner Berühmtheit, seinem Geld und seinem Ansehen findet er nicht die erhoffte Erkenntnis und kommt den echten Fragen des Daseins kein Stück näher. Und so kehrt er an seine Anfänge zurück, in die Ruhe und Nähe des Ursprungs seiner Existenz. Eine hoffnungsvolle, schöne Folge, die die Kunst und ihre Schaffenden in den Mittelpunkt stellt und dementsprechend sehr hoch im Kurs bei mir steht.

15. Blindspot

Blindspot ansehen. Folge 15 der 1. Staffel.

Eine Cyborg-Gang organisiert einen Raubüberfall auf einen gepanzerten Konvoi, der jedoch mit einem Sicherheitsroboter ausgestattet ist, der drei der vier Crew-Mitglieder ohne größere Probleme vernichtet, bevor es ihn schließlich doch trifft… und… die Guten gewinnen? Ich glaube, dass größte Problem dieser Folge ist, dass der Zuschauer sich nicht sicher ist, ob er nun Hoffen soll, dass die Mission der Gang gelingt oder nicht. Wir bekommen keinen Kontext, werden in eine Mad Max -artige Verfolgungsjagd mit viel gut gemachter Action, aber eben ohne große Bedeutung geworfen. Der Twist am Ende ist ganz nett, das Bewusstsein der gesamten Gang wurde nämlich mit einen Sicherheitsbackup ausgestattet. Obwohl sie in ihrer Mission gestorben sind, können sie also ganz leicht rekonstruiert werden. Blindspot weißt den Zuschauer an dieser Stelle auf die Möglichkeiten hin, die die technische Weiterentwicklung auf die Menschheit haben kann: Die Unsterblichkeit rückt immer näher.

16. Eiszeit

Eiszeit ansehen. Folge 16 der 1. Staffel.

Die einzige Realverfilmung in Love, Death & Robots. Nach dem Einzug in eine Wohnung stößt ein Paar im uralten Gefrierfach eines Kühlschranks auf Zivilisation. Der kleine Kosmos macht in wenigen Stunden die menschliche Geschichte durch: vom Mittelalter zur industriellen Revolution bis zum großen Nuklearkrieg, den die Menschheit jedoch übersteht. Juuuhuuuu! Danach baut die Gefrierschrank-Zivilisation eine neue Welt voll von technischem Fortschritt auf. Wir haben scheinbar aus unseren Fehlern gelernt, wollen alles besser machen. Ein schönes Happy-End eigentlich, oder? Aber die Folge hört hier nicht auf: In einem kleinen Feuerwerk verschwinden die Bewohner und ihre Umwelt, sie lassen das Paar, ebenso wie den Zuschauer, ratlos zurück. Sind wir ausgestorben? Oder haben wir uns auf einen neuen Planeten umgesiedelt? Wer weiß. Was jedoch sicher ist, ist, dass der Kreislauf von Vorne beginnt, denn als das Paar am nächsten Tag wieder die Tür des Gefrierschranks öffnet, sieht es Dinosaurier, die unsere Vorfahren jagen. Diese Folge hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Sie hat nicht nur eine verrückte Story, auch in ihrer Machart ist sie interessant, weil der Zuschauer auf die gleiche Ebene wie das Paar gestellt wird. So wie wir sie und ihr Handeln beobachten ohne Eingreifen zu können, so betrachten sie die kleine Menschheit. Eine wirklich tolle Folge. Und sind wir ehrlich: Alles, wirklich alles, wird besser mit einem T-Rex.

17. Alternative Zeitachsen

Alternative Zeitachsen ansehen. Folge 17 der 1. Staffel.

Diese Folge ist wirklich sehr komplex, aber ich versuche einfach mal sie zusammenzufassen: Hitler stirbt auf sechs verschiedene Arten. Okay, war doch gar nicht so schwer. Ich glaube so gut wie jeder Mensch hatte schon einmal die folgende Diskussion: Wenn die Möglichkeit zu einer Zeitreise besteht, würde ich dann zurück in die Vergangenheit reisen, um Hitler zu töten? Oder würde ich mich aus Angst vor einer Verschiebung in der Zeit-Raum-Achse nicht trauen? Dieses Gedankenspiel ist Grundlage der neuen App Multiversity, die ihren Nutzern beispielsweise aufzeigt, was geschehen wäre, wenn Hitler vor dem Ersten Weltkrieg gestorben wäre. Charmant gezeichnet, witzig anzusehen und doch vielleicht gar nicht so weit weg von dem, was bald möglich sein könnte? Virtual- und Augmented-Reality entwickelt sich immer weiter, wer weiß, an welchem Punkt wir in ein paar Jahren sein werden. Alternative Zeitachsen ist kurzweilig, macht aber trotzdem riesigen Spaß.

18. Geheimkrieg

Geheimkrieg ansehen. Folge 18 der 1. Staffel.

Lasst mich diese Episodenbesprechung damit beginnen: Das CGI ist unfassbar! Love, Death & Robots hat in dieser Hinsicht wirklich neue Maßstäbe gesetzt, die technische Umsetzung ist einfach grandios. Zur Handlung: Eine Elite-Einheit der Roten Armee kämpft in den Wäldern Sibiriens gegen einen dämonischen Gegner, den einer von ihnen selbst heraufbeschworen hat, in der Hoffnung, sich einen Vorteil gegenüber den Gegnern zu sicher. Das ist ordentlich schief gegangen, denn die Kreaturen wenden sich gegen alles, was nicht wie ihre Spezies aussieht. Bevor sich diese Monster also wie eine Seuche verbreiten, müssen sie ausgeschalten werden – natürlich im Geheimen. Die Elite-Einheit findet schließlich auch das „Mutternest“, in dem sich abertausende von diesen Dämonen sammeln. Während einer der jüngeren Soldaten zurückgeschickt wird, um Hilfe zu holen, versammelt sich der Rest und beginnt eine Selbstmordmission, in der sie versuchen, das Rudel an Monstern so lange zurückzuhalten, bis die erhoffte Luftunterstützung eintrifft. Die Elite-Soldaten sterben, doch gleiches gilt scheinbar auch für die Dämonen. Die Bombardierung gelingt – und niemand wird je von dem wahren Schrecken dieser Kreaturen erfahren. Natürlich endet Netflix‘ neuer Hit mit einem absoluten Knaller. Geheimkrieg ist spektakulär, brutal, laut & macht dabei irre viel Spaß.

Fazit

Love, Death & Robots ist eine Serie, die Ideen in den Mittelpunkt stellt, die oft zu gruselig sind, dass wir sie uns auch nur vorstellen wollen. Die Utopien und Dystopien von alternativen Realitäten, die die Macher kreiert haben, sind durchweg fantastisch anzusehen. Was die Serie meiner Meinung nach so besonders macht, ist, dass jede Folge ihren ganz eigenen Charakter mitbringt. Jede hat ihren eigenen Stil, von der technischen Umsetzung bis hin zu der moralischen Implikation, die mitschwingt, ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Meine persönlichen Flop-Folgen waren Die Augenzeugin, Gute Jagdgründe und Blindspot. Hier bin ich nicht ganz in die Handlung reingekommen, bin mit der Erzählart nicht warm geworden.

Meine persönlichen Top-Folgen waren Drei Roboter, Nacht der Fische und Raumschiff Nr. 13. Diese Episoden haben mich mitgerissen, zum Nachdenken animiert und einfach nur Spaß gemacht.

Natürlich ist diese Auswahl persönlicher, ganz individueller Geschmack.

Der Mut von Netflix, ein solch ambitioniertes und ungewöhnliches Projekt zu finanzieren, hat sich in diesem Fall sicherlich gelohnt. Love, Death & Robots ist insgesamt ein beeindruckendes Kunstwerk, an dem viele Menschen ihren Spaß haben werden.

Ein Kommentar zu “Netflix und sein neuer Hit Love, Death & Robots

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