The Walking Dead Staffel 9 | Wird jetzt alles wieder besser?

Staffel 9 von The Walking Dead hat ihr Finale gefeiert. Die guten und schlechten Momente will ich hier in einem Recap noch einmal Revue passieren lassen.

Die neunte Staffel hat mit 16 Episoden mal wieder eine Länge, die sich sehen lassen kann. Dies wurde der Serie schon häufig als Nachteil angerechnet, doch lasst uns einen genauen Blick auf die Plots werfen. Im Folgenden wird es zu Spoilern kommen, daher:

+++++ SPOILERWARNUNG +++++

Ich will mit den positiven Aspekten dieser Staffel beginnen:

Die internen Konflikte

Nachdem der Krieg mit Negan überstanden ist, kehrt Frieden in die Gruppe der Überlebenden ein. Oder etwa doch nicht? 18 Monate sind seit dem letzten Staffelfinale vergangen. Unter der Gruppe leben nun auch ehemalige Gefolgsleute Negans, was zu einigen Konflikten führt. Denn immer wieder verschwinden einzelne Saviors. Machen sie sich aus dem Staub, weil sie nicht unter der Führung ihrer ehemaligen Feinde leben wollen? Oder steckt doch etwas anderes dahinter?

Eine Spur findet sich, als einer der verschwundenen Saviors als Zombie wiederentdeckt wird – inklusive einer Wunde, die durch einen Pfeil oder etwas Ähnliches verursacht wurde. Jemand ist also hinter der ehemaligen Truppe Negans her und will Rache.

Was dann passiert, macht wirklich Spaß anzuschauen, denn ebenso wie die Figuren rätselt auch der Zuschauer über den Täter – und die Liste der Verdächtigen ist lang, bedenkt man, was die Saviors den Figuren angetan haben. Doch Jerry, der in dieser Staffel sowieso zu einem meiner Lieblinge avanciert ist, stellt die entscheidende Frage: Was macht man mit dem Täter? Bekämpft man Blut mit Blut? Wird er in eine Zelle eingesperrt, wie dies auch schon mit Negan passiert ist? Auf diese Fragen weiß niemand so recht eine Antwort.

Maggie und Daryl kommen dem Verschwinden der Saviors schließlich auf die Spur: Eine Gruppe von Frauen rund um Cyndie aus Oceanside ist dafür verantwortlich, sie wollen sich für das Blutvergießen der Saviors rächen. Sie begründen ihre Taten mit der Vorbildfunktion Maggies. Als diese Gregory wegen seines Mordanschlags auf sie hat hängen lassen, sei ihnen klar geworden, dass nicht nur Ricks Weg existiert. Es gibt nicht nur das Vergeben und die Harmonie, sondern auch das harte Durchgreifen. Maggie und Daryl reicht das Gehörte, sie halten die Frauen nicht davon ab, ihre verspätete Rache zu nehmen.

Diese Storyline rund um die verschwundenen Saviors geht über in einen anderen Punkt: Die Gemeinschaft zwischen Maggie und Rick bröckelt. Vieles steuert in diesem Moment auf einen internen Kampf zwischen den Lagern hin. Während einige Figuren von einer harmonischen Zukunft träumen, bei der alle freundschaftlich zusammenleben, hängen andere in der Vergangenheit fest und wollen Blutrache.

All dies geschieht ziemlich am Anfang der neuen Staffel, lässt den Zuschauer also erwartungsvoll auf die weiteren Episoden blicken. Denn die Idee ist wirklich gut. Durch einen Konflikt zwischen Maggie und Rick würde sich die Gruppendynamik wieder entscheidend verschieben. Außerdem stellt The Walking Dead hier eine interessante moralische Frage, über die die Zuschauer diskutieren können: Haben die Saviors den Tod verdient oder sollten sie eine zweite Chance bekommen?

Negan

Der einstige Bösewicht und Sprücheklopfer wird in dieser Staffel von einer ganz neuen Seite gezeigt. Denn die Isolation, die er in seiner kleinen Zelle in Alexandria zu ertragen hat, scheint ihn sehr mitzunehmen. Seine Reaktion auf die Aussage Michonnes, seine geliebte Lucille sei nicht in ihrem Besitz, sondern liege irgendwo draußen herum, ist hart anzusehen. Als Negan mit seinem Kopf mehrfach gegen die Zellwand schlägt, hat der Zuschauer Mitleid mit ihm, dem Bösewicht, der für den Tod von zwei der beliebtesten Figuren im Walking Dead-Universum verantwortlich ist. Wie verzweifelt er wirklich ist, zeigt sich in dem Gespräch mit Maggie. Hier provoziert er sie absichtlich mit geschmacklosen Aussagen über Glen, in der Hoffnung, dass sie ihn tötet. So gebrochen ist er. Dass dies nicht nur an seinem Leben in der Zelle liegt, machen die Produzenten ebenfalls deutlich, denn Negan gelingt es tatsächlich, auf freien Fuß zu gelangen. Er verlässt Alexandria unbemerkt und kehrt zurück zum Sanctuary. Hier angekommen bemerkt Negan jedoch, dass dies nicht mehr seine alte Heimat ist, der Ort ist überlaufen von Zombies, niemand ist da, der ihn bejubelt, der ihm gehorcht. Und so geht er einen entscheidenden Schritt: Er kehrt freiwillig zurück in die Gefangenschaft von Alexandria.

Was in dieser Staffel mit Negan passiert, ist wirklich spannend. Seine Figur bekommt einen ganz neuen Charakterzug, endlich wird auch seine verletzliche und verzweifelte Seite vollends ausgespielt und nicht wie zuvor nur angedeutet. Für mich wirklich eines der großen Highlights dieser neunten Staffel.

Das Midseason-Finale

Daryl, Aaron und Jesus machen sich auf die Suche nach dem verschwundenen Eugene. Hierbei fällt der Rettungstruppe schon recht früh das merkwürdige Verhalten der Beißer-Herden auf, sie reagieren nicht wie gewohnt auf Geräusche, sondern ignorieren diese ganz einfach. Außerdem scheinen sie sich in größeren Gruppen fortzubewegen. Ihr Eindruck, dass sich das Verhalten der Untoten verändert hat, wird auch von Eugene bestätigt, denn er berichtet über ein Flüstern der Untoten. Die Gruppe versucht nun zurück in ihre sichere Zivilisation zu kommen, wird allerdings von einer Herde umkreist. Die Männer kämpfen – und dann passiert es: Ein Beißer zückt ein Messer und tötet Jesus.

Zwei Schockmomente auf einen Streich. Jesus galt schon immer als einer der größten Fan-Favoriten und nun stirbt er so unerwartet und unter diesen Umständen. Die Gruppe scheint auf neue Gegner gestoßen zu sein, die die Untoten nicht nur als Schutz, sondern auch als Waffe nutzen. Mit dieser Folge ist der Zuschauer auf jeden Fall gespannt, wie es weitergeht. Die Macher leiten hier den größten positiven Aspekt dieser Staffel ein.

Die Whisperer

Die Whisperer sind die neuen Gegner unserer Protagonisten. Und meinte man, dass die Macher mit Negan schon einen Psychopath erschaffen hätten, so hat man Alpha noch nicht kennengelernt. Die Anführerin eröffnet eine ganz neue Dimension der Geisteskrankheit. Alpha leitet die Whisperer, die sich die Haut von Beißern aufsetzen, um sich so unbemerkt unter Herden mischen zu können. Die Gruppe agiert auf diese Art und Weise, weil sie die Überzeugung vertritt, dass die Natur es so will. Die zivilisierten Gemeinden hingegen sind für sie ein Schrein für längst vergangene Zeiten. Alpha agiert ruhig und bedacht, sie ist kein impulsiver Mensch wie Negan. Und das macht sie noch unheimlicher. Während der Zuschauer mit Negan noch Spaß hatte, wenn dieser mal wieder einen lustigen Spruch gebracht hat, merkt man schnell, dass Alpha nicht hier ist, um leichte Unterhaltung zu generieren. Wir sollen merken, dass von ihr und ihrer Gruppe pure Gefahr ausgeht. Ihre Gefühlskälte beweist sie bereits recht schnell nach ihrer Einführung, denn während sie sich in einer Diskussion mit Hilltop befindet, nähert sich eine kleine Herde von Untoten. Sie reagiert völlig emotionslos, als eine Mutter, die Teil der Whisperer ist, durch ihr schreiendes Baby die Aufmerksamkeit der Beißer auf sich zieht und veranlasst, das Neugeborene zurückzulassen. Denn wenn es nicht in Stille Leben kann, dann muss es Teil der Toten werden.

Endlich also wieder spannende Gegenspieler für unsere Protagonisten. Die Einführung der Whisperer ist wirklich gelungen. Sie stellen nicht nur eine interessante und bedrohliche Anführerin, sondern endlich auch wieder den Horroraspekt, der von vielen Zuschauern schmerzlich vermisst wurde, in den Vordergrund. So sorgen die Whisperer meiner Meinung nach für die gruseligste Szene seit Staffeln: Alden und Luke sind auf der Suche nach ihren Freunden, als ein Untoter auf sie zu taumelt. Nicht weiter beirrt von diesem Anblick, will Luke losgehen, um den Beißer zu töten. Doch dann bleibt dieser plötzlich stehen und starrt die beiden Männer an. Für Sekunden geschieht keine Bewegung, bis Luke und Alden bemerken, dass sie von zahlreichen “Beißern“ umstellt sind. Die Untoten, die seit Staffeln nur noch nebensächlich sind, werden endlich wieder interessant.

So viel zu den positiven Aspekten, die wirklich Spaß gemacht haben. Jetzt soll das Negative in den Mittelpunkt rücken.

Der Rosita-Plot

Dieser Punkt kann schnell abgehandelt werden. Die ganze Geschichte rund um das Beziehungsdreieck von Rosita, Gabriel und Siddiq hat keinerlei Mehrwert für das große Ganze. Die Figuren sind mir persönlich recht egal, ich bin nie wirklich warm mit ihnen geworden und wäre froh gewesen, wenn die Macher die Zeit nicht mit diesem Plot verschwendet hätten.

Die Pfahlszene & ihr Nachgang

In der vorletzten Folge dieser Staffel geht The Walking Dead einen Weg, der mich sehr überrascht hat, denn Alpha richtet gefühlt nebenbei das größte Massaker an, dass diese Serienwelt jemals erlebt hat. Der Whisperer-Anführerin gelingt es, sich unbemerkt auf das große Handelsfest im Kingdom zu schleichen und mehrere Personen zu kidnappen. Sie werden getötet und ihre Köpfe werden auf Pfähle gesteckt, um den zukünftigen Grenzverlauf zwischen dem Gebiet der Whisperer und dem unserer Protagonisten zu stecken.
Insgesamt sind es zehn Todesopfer, die überraschendsten sind wohl Hilltop-Anführerin Tara und der junge Henry.

Ich glaube, dass die Macher von The Walking Dead denselben Fehler mit Alpha begehen, den sie auch schon mit Negan gemacht haben. Es werden zu schnell, zu hohe Maßstäbe gesetzt. Wie soll Alpha dieses Massaker noch übertreffen? Der Zuschauer hat in diesem Moment schon das Schrecklichste gesehen, was sie anrichten kann – zumindest vermute ich das. Wie soll diese Gewaltorgie übertroffen werden? Und dann wird Alpha dasselbe Schicksal erleiden wie auch Negan vor ihr: Obwohl sie eine interessante Figur ist, wird sie zunehmend irrelevanter. Sie hat ihren Schrecken verloren.

Was mich an dieser Stelle auch gestört hat, ist der Fakt, dass diese Folge nicht einfach mit dem Bild der aufgespießten Köpfe endet, sondern noch ein pseudo-philosophischer Vortrag von Siddiq über den Heldenmut der Gestorbenen folgt. Wieso The Walking Dead dem Zuschauer an dieser Stelle nicht die Chance gibt, das soeben Gesehene selbst zu bewerten, sondern vorschreiben muss, wie wir uns nun gefälligst zu fühlen haben, ist mir ein Rätsel.

Der “Tod“ von Rick Grimes

Ich will an dieser Stelle nicht den ganzen Weg skizzieren, der letztendlich zum “Tod“ der Hauptfigur führt. Und das aus einem ganz einfachen Grund: Rick ist nicht tot. Er wird von Jadis und deren mysteriösen Helikopter-Freunden abgeholt und gerettet. Natürlich existiert die Figur nun erst einmal nicht mehr in diesem Serienkosmos, aber auf diese Art und Weise bleibt eine Rückkehr doch möglich. Natürlich fand ich als Fan das Wiedersehen mit Shane und Hershel schön. Und auch die Brückenszene, die Ricks Tod einleitet, ist toll inszeniert. Die Zuschauer merken wirklich die Emotionen der beteiligten Figuren, die Verzweiflung Michonnes und Daryls. Und Rick Grimes würde sich gebührend und mit einer Heldentat, die alle anderen rettet, verabschieden. Doch das tut er eben nicht. Diesen Ausweg zu wählen, wirkt irgendwie feige. Hier waren die Macher nicht konsequent genug, um einen Schlussstrich zu ziehen, sie wollten sich alle Optionen offen halten. Aber so funktioniert gutes Storytelling eben nicht.

Fazit

Insgesamt muss ich sagen, dass mir die neue Staffel The Walking Dead deutlich besser gefallen hat als die katastrophale achte Staffel. Natürlich bleibt die Serie immer noch hinter ihrem anfänglichen Niveau zurück, macht meiner Meinung nach viele Fehler bei den Storylines und Charakterentwicklungen, aber es sind doch deutliche Verbesserungen zu erkennen. Und dank den neuen Bösewichten kann man getrost sagen: Endlich wird es wieder spannend!

4 Kommentare zu „The Walking Dead Staffel 9 | Wird jetzt alles wieder besser?

  1. Was mich unheimlich gestört hat:
    1. Der Zeitsprung von mindestens 5 Jahren zwischen Folge 5 und 6.
    2. Maggie verschwindet einfach ohne Ansage
    3. Die Phahlszene war zwar cool aber ganz ehrlich, wie hat sie es geschafft, die unbemerkt wegzuschaffen und zu köpfen. Das war doch sehr unrealistisch. Ebenso ihre Gesichtsmaske… viel zu perfekt für die bestehenden Verhältnisse.

    Zumindest können Maggie und Rick jederzeit wieder einsteigen, denn sie sind ja nur „weg“ und nicht tot.
    Ich hoffe, das Staffel 10 dann die letzte ist. Es wird langsam sehr nervig.

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    1. Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Zu deinen Punkten:
      1. Ich fand den Zeitsprung auch sehr ungewöhnlich und bin am Anfang auch nicht so recht warm damit geworden. Was dann allerdings daraus entstanden ist, fand ich eigentlich ganz interessant. Auf diese Weise hatten sie ja beispielsweise die Möglichkeit die Judith-Negan-Beziehung auszuarbeiten. Aber an Carols neue Frisur will ich mich trotzdem nicht gewöhnen 😉
      2. Soweit ich informiert bin, ist Lauren Cohen (die Schauspielerin, die Maggie spielt) ebenso wie Andrew Lincoln (Rick Grimes) aus der Show ausgestiegen. Wieso sie aber erst nach ein paar Folgen weg ist, verstehe ich auch nicht so ganz, vielleicht haben die Macher gedacht, dass es gerade gut in die Handlung passt und Lauren hat dem zugestimmt. Und dann wurde es eben so gemacht. Schade finde ich es auf jeden Fall.
      3. Das stimmt, da hast du völlig recht. Ich habe das ganze mal unter „kreative Freiheit“ eingeordnet, aber logisch ist es wirklich nicht. Was denkst du, wie es mit Alpha weitergeht? Werden wir mit ihr länger unseren Spaß haben als mit Negan?

      Ich denke nicht, dass sie so schnell aufhören. Ich verstehe zwar nicht so recht, wie sie sich noch halten können bei den drastisch fallenden Zuschauerzahlen, aber irgendwie scheint es ja zu gehen. Ich wäre auch froh, wenn sie noch maximal 2 Staffeln drehen würden. Aber wo soll die Serie denn enden? Mit Heilung, Frieden?

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      1. 1. Ja, Carols neue Frisur war echt gewöhnungsbedürftig. Vielleicht auch als Zeichen für „angekommen“ gedacht. Was sich daraus entwickelt, fand ich auch nicht schlecht und diese Flüsterer sind schon irgendwie geil.
        Wenn es schon eine „Negan – Wandlung“ gibt, dann bitte richtig. Nicht das nach ein paar Folgen, er wieder zum Alten wird. Das wäre dann schwachsinnig. Er saß immerhin 6 Jahre oder so hinter Gittern.
        2. Ich habe das im vorfeld mit „Maggie“ gar nicht mitbekommen. Lag wahrscheinlich auch daran, dass ich mich mehr durch die 8. Staffel gequält habe als sie mit Freuden anzuschauen.
        3. Das war eine Menge „kreative Freiheit“ 😉

        Also persönlich würde mir eine Staffel Alpha reichen. Ich befürchte allerdings, dass sie die auch 2 Staffeln lang beschäftigen…

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