Nicht ansehen auf Netflix | Wenn der Titel schon alles sagt, was man wissen muss

Ich hatte gerade die fantastische Anthologieserie Love, Death & Robots (die Review hierzu findet ihr unter: https://lesezeichen.home.blog/2019/03/28/netflix-und-sein-neuer-hit-love-death-robots/#more-70) beendet und hatte Lust, auf weitere, kreative Kurzgeschichten in diesem Stil. So bin ich über Nicht ansehen gestolpert. Eine Mini-Serie, die sich dem Horrorgenre widmet? Nichts wie ran.

Ich war sehr hoffnungsvoll, mit Serien wie Blackmirror hat Netflix ja schon eindrucksvoll sein Gespür für den subtilen Horror bewiesen. Zuletzt hat mich der Überraschungserfolg Spuk im Hill House begeistert. Lange habe ich mich schon nicht mehr so gegruselt. Die Serie war grandios, vor allem, weil sie Horrorelemente mit einer spannenden Familiengeschichte mit interessanten Charakteren gemischt hat.

Und nun also Nicht ansehen . Die Serie besteht aus nur fünf Episoden, alle zusammengerechnet haben eine Laufzeit von circa 25 Minuten. Das ist aber kurz, habe ich am Anfang gedacht, schließlich sind hier Folgen dabei, die gerade einmal zwei Minuten dauern. Tja, und dann habe ich angefangen. Und ich war froh, dass ich diesen Quatsch so schnell hinter mich bringen konnte.

Freundschaftsarmband

Freundschaftsarmband ansehen. Folge 1 der 1. Staffel.

Julie ist einer Außenseiterin, sie hat keine Freunde und seziert gerne Tierleichen, die sie am Straßenrand findet. Naja, jeder wie er mag. Das Mädchen lädt dann zwei Mitschülerinnen – nennen wir sie für den weiteren Verlauf und zur Einfachheit X und Y, sollten sie Namen gehabt haben, kann ich mich ehrlich nicht mehr an sie erinnern, so irrelevant waren sie für mich – auf ihren Geburtstag ein und obwohl sie wissen, dass Julie eine Außenseiterin ist, hat X Mitleid, weshalb die Einladung schließlich angenommen wird. X und Y sind beste Freundinnen, was sie mit dem Tragen eines Freundschaftsbandes publik machen. Und die arme Julie möchte nichts mehr, als eine Freundin, mit der sie solche kitschigen Mädchensachen eben auch machen kann. Als bei der Geburtstagsparty niemand auftaucht, verschwinden X und Y ohne Julie Bescheid zu geben. Einfach so. Ziemlicher Arschlochmove wenn ihr mich fragt. Doch dass kann das Mädchen so nicht hinnehmen, sie folgt X und Y und greift sie in ihrem Haus an. X und Y haben übrigens gerade einen alten Horrorstreifen geschaut, als sie Julie bemerken. Creativity at its finest. Die kleine Außenseiterin greift die zwei Freundinnen also an. Sie will, dass die Mädchen auch ihre Freundinnen werden, dafür müsse Julie allerdings zunächst ihre Herzen öffnen. Wortwörtlich natürlich. Die Story ist nicht unbedingt kreativ, aber die Folge ist wirklich ganz unterhaltsam. Natürlich ist alles ziemlich trashig, aber auch das kann ja Spaß machen. Auch ist Freundschaftsarmband blutig, in dem Maße, in dem es sich für Teenie-Splatter-Filme eben gehört.

Rätsel-Raum

Der Rätsel-Raum ansehen. Folge 2 der 1. Staffel.

Leute, Leute, Leute. Hier war ich wirklich erstaunt. Dass es überhaupt noch möglich ist, etwas zu produzieren, was derart schlecht aussieht, hielt ich nicht für möglich. Aber zur fantastischen Handlung: Irgendein Typ, der Rächer der Internetmoral wohl, verwickelt einen Hacker in ein Virtual-Reality-Spiel. In diesem muss der Hacker drei Rätsel lösen, um… ehm… ja. Weil er das halt machen muss. Das sind dann solch krasse Rätsel wie Memory. Im Ernst. Der Hacker kommt also in den Rätselraum, alles ist super mysthisch und so und dann spielt er Memory. Aber jetzt kommt ja der raffinierte Kniff: Ihm wurde vorher ein neues Gedächtnis eingepflanzt. Er konnte sich also gar nicht merken, wo welche Karte ist. BAM! Macht keinen Sinn? Das ist völlig richtig. Dem Hacker gelingt es dementsprechend natürlich nicht das Rätsel zu lösen und als Strafe werden ihm die Hände verbrannt. Das sieht tatsächlich gut gemacht aus, reißt das ganze Elend dann aber auch nicht mehr rum. Die logische Reaktion des Hackers, nachdem ihm gerade die Hände verbrannt wurden? Klar: Weiter geht’s zum nächsten Rätselspaß. Ich glaube ich habe selten etwas gesehen, dass mich mehr als Zuschauer beleidigt hat als Rätsel-Raum. Dumme Figuren, dumme Handlung, schlechtere als schlechte Effekte. Einfach wirklich nicht gut.

Incommodum

Incommodum ansehen. Folge 3 der 1. Staffel.

Incommodum ist die Folge, die mir am besten gefallen hat. Warum? Hat sie eine gute, spannende Handlung? Nö. Die Macher der Serie haben an dieser Stelle scheinbar beschlossen, dass Handlung gar nicht so wichtig ist und haben einfach für zwei Minuten eine Dia-Show aus gruseligen Horrorbildern aneinandergereiht. Und die sind auch wirklich gelungen, sie sind voller rätselhafter Symbole, Blut, Unglücksszenarien und Spinnen. Spinnen gehen einfach immer, oder? Die Bilder sind nichts für schwache Gemüter, wenn man sich darauf einlässt, ist man doch schon sehr gebannt. Kritiker würden jetzt natürlich sagen, dass an dieser Stelle einfach nur stumpf Horrorbilder aneinandergereiht wurden und das dann schon sehr an ein Intro von American Horror Story erinnert, nur eben ohne die eingängige Musik.. aber ich bin der Meinung, dass man Lichtblicke manchmal auch einfach als solche wahrnehmen sollte. Denn es kann schnell wieder dunkel werden. Und meine Güte waren die anderen Folgen dunkel.

Betreten verboten

Betreten verboten ansehen. Folge 4 der 1. Staffel.

Puh. Zwei Typen, Noah und Alex, betreten ein verlassenes, gruseliges Haus. So weit, so klassisch. Und dann kommt natürlich das Monster, will sie töten, die Jungens schreien, rennen und so weiter. Hört sich erstmal negativ an, aber diese Folge ist wohl diejenige, die das Konzept von Nervenkitzel am ehesten trifft.. oder eher, leicht streift. Wir wollen ja nicht übertreiben. Wenn man aber mal in die Serie reinschauen will, sollte man am ehesten diese Folge anschauen. Einfach nicht allzu viel erwarten, dann kann man mit Betreten verboten schon seinen Spaß haben.

Antoni Psycho

Antoni Psycho ansehen. Folge 5 der 1. Staffel.

Jetzt wird es meiner Meinung nach vollends bescheuert. Antoni verrät in einem total spannenden Monolog seine Morgenrituale. Das macht er aber nicht einfach so, sondern mit ganz bissigen und ironischen Kommentaren versehen. Antoni ist scheinbar ein Serienmörder, der das Fleisch seiner Opfer isst, um jung und schön auszusehen. Also ein von außen betrachtet schöner Mensch, der im Inneren jedoch böse und verdorben ist. Man muss das Rad ja auch nicht immer neu erfinden. Aber, werter Leser, ist dir denn am Titel dieser Folge etwas aufgefallen? Genau. Eine Anspielung auf das Meisterwerk American Psycho. Nur halt mit Antoni, weil das ja der Name der Hauptfigur ist. Witzig.

Fazit

Ich glaube, und das meine ich wirklich ernst, dass diese Miniserie ihr Publikum hat oder noch finden wird. Ich würde mir die Folgen vielleicht auch nochmal anschauen, in einer lockeren, entspannten Runde mit Freunden, wer weiß. Es hat schon verrücktere Dinge gegeben. Ein großes Danke geht aber auf jeden Fall an die Macher der Serie raus, mir hat es nicht gefallen, aber ihr hattet kreative Ideen und die habt ihr umgesetzt. Ist doch cool.

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